Warum musste Jesus sterben?

„Jesus starb nicht zur Besänftigung eines zornigen Gottes, sondern als menschgewordener Gott, der die Schuld seiner Geschöpfe auf sich nahm.“

Manche Menschen sind der Überzeugung, Gott mache seine Gnade von einem Menschenopfer – einem Mord am Kreuz – abhängig. Dieser Gedanke geht auf eine Idee nichtchristlicher Religionen zurück. Die antiken, vorderasiatischen Religionen versuchten beispielsweise, ihre Götter durch Opfer zu besänftigen. Das gipfelte im Moloch-Kult, bei dem sogar Kinder im Feuertod geopfert wurden. Gegen diese Anschauungen haben die biblischen Propheten immer wieder mit scharfen Worten gekämpft. Sie wiesen das Volk Israel darauf hin, dass auch die Tieropfer im Tempel Gott nicht besänftigen könnten. Gott wolle keine Besänftigungs-Opfer, sie seien sinnlos und überflüssig.

Genauso sollte auch der Tod Jesu am Kreuz nicht „Gottes Zorn" stillen. Gott liebte uns bereits, als wir noch seine Feinde waren (Johannes 3,16; Römer 5,10). Deshalb wollte er unsere Liebe zurückgewinnen. Wir brauchen ihn also nicht zu besänftigen.

Warum war das Opfer Jesu dann nötig? – Ursprünglich lebte der Mensch in enger Gemeinschaft mit Gott. Es war eine Zeit der Harmonie, der Liebe und des Friedens. Leid, negative Gefühle, Krankheit und Tod waren unbekannt. Doch dann entschloss sich der Mensch, eigene Wege zu gehen. Er wollte Gott nicht länger gehorchen, sondern nach seinen Vorstellungen leben (Sündenfall). Damit trennte er sich von Gott.

Weil Gott aber der Ursprung des Lebens, des Guten und der Liebe ist, verfiel der Mensch dem Tod, dem Bösen und dem Hass. Ein Blick in die Geschichte der Menschheit, die täglichen Nachrichten und unsere eigenen negativen Erfahrungen bestätigen uns, dass es so ist.

Durch seine Abkehr von Gott verlor der Mensch auch das Wissen über ihn. Nur dunkle Ahnungen blieben, die sich mit menschlichen Vorstellungen mischten. So entstanden falsche, gefährliche und lächerliche Gottesbilder – vom rachsüchtigen, grausamen Gott bis hin zum gütigen, alles verzeihenden alten Mann. Der Mensch schuf sich Gott zu seinem eigenen Bild, zum Bild des Menschen.

Gott wollte uns nicht unserem Schicksal überlassen. Er machte den ersten Schritt, weil wir den Zugang zu ihm verloren hatten. Er wollte uns weder zwingen noch überreden, ihn zu lieben. Deshalb entschloss sich Jesus – der Sohn Gottes – zu uns zu kommen. Er wollte so leben wie wir Menschen und dabei Entbehrung, Anfeindung, Ungerechtigkeit, Verlust, Krankheit und Tod am eigenen Leib erfahren. Niemand kann seitdem Gott vorwerfen, er wüsste nicht, wie wir empfinden und leiden. Jesus zeigte uns außerdem, dass Gott vertrauenswürdig ist, weil er uns liebt und alles dafür einsetzt, um unser Leben mit Freude und Hoffnung zu füllen.

Weil die Trennung von Gott Schuld und Tod über die Menschen gebracht hatte, wollte Christus auch den letzten Schritt gehen: Er nahm die Schuld aller Menschen auf sich und starb den Tod, der aus der Trennung von Gott kommt.

Jesus starb also nicht zur Besänftigung eines zornigen Gottes, sondern als menschgewordener Gott, der aus Liebe zu seinen Geschöpfen alles einsetzte, damit Tod und Leid enden.

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