Wie Gott mich in schwerer Krankheit geführt hat

Ich hatte schon längere Zeit das Gefühl, dass irgendetwas in mir nicht „stimmte“, konnte sogar einen kleinen Knoten in der Brust ertasten. So machte ich einen Termin beim Gynäkologen. Meine Zwillingsschwester begleitete mich. Wir waren beide gerade 50 Jahre alt geworden und fühlten uns „jung“ und unbelastet.

Aber dann kam ich völlig aufgelöst aus dem Sprechzimmer des Arztes. Meine Schwester las mir am Gesicht ab, dass ich eine schlimme Diagnose verkraften musste: Brustkrebs.

Ich wusste, dass sich nun vieles ändern würde. Ich musste Abschied nehmen von meinem Aussehen. Bald würde ich mein Haar verlieren und vielleicht auch eine Brust. Ich musste schmerzlich erfahren, wie zerbrechlich das Leben ist. Innerlich rebellierte ich gegen Gott, aber ich hörte nicht auf, mit ihm zu reden.

Ich fragte Gott, ob er mich durch diese Krankheit zur Ruhe legen würde – doch ich wollte noch nicht sterben!!! Außerdem machte ich mir Sorgen um meine Zwillingsschwester. Sie ist behindert und wohnt seit dem Tod meiner Eltern bei mir. Wer würde sich um sie kümmern, wenn ich nicht mehr da wäre? Wir haben zwar noch drei Geschwister, aber unsere Beziehung war bis dahin problematisch.

Da fiel mir ein Bibeltext ein: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ So hatte Jesus im Garten Gethsemane gebetet. Das machte mich etwas ruhiger.

Die Chemotherapie begann. Meine Zwillingsschwester begleitete mich zu jeder Sitzung; sie gab mir durch ihre Anwesenheit viel Kraft. Sie wurde zum Werkzeug Gottes, tröstete mich durch ihre Fürsorge. Gemeinsam brachten wir alles vor Gott, was uns Angst machte und Sorgen bereitete und beinahe verzweifeln ließ. Zu meiner Überraschung rief mein Bruder in dieser Zeit häufig an und versicherte, dass er viel für mich bete. Das hatte ich früher noch nie von ihm gehört – es machte mich glücklich.

Dann wurde ich operiert, leider durchtrennten die Ärzte dabei versehentlich einen Nerv. Aber ich merkte in all meinen Problemen, dass unser treuer Gott mein Leben in seiner Hand hielt. Ich wusste: er wird mir nie etwas Schlechtes antun. Ich betete: „Herr, schenke mir deien Heiligen Geist, damit ich erkenne, was für mich richtig oder falsch ist.“ Dann hörte ich immer wieder, dass ich am Leben bleiben würde. Gott trug mich durch die Krankheit. Allmählich ließen meine Ängste und Sorgen nach und ich fühlte mich nicht mehr verzweifelt, sondern von Gott geführt.

Während dieser schweren Zeit begegneten mir wunderbare Menschen neben meinen Freunden, die mich mit ihrer Treue und vielen Gebeten begleitet haben. Gott führt eben nicht am Leid vorbei, sondern er hilft uns mitten hindurch. Durch seine Gnade bin ich heute ein glücklicher Mensch – und ich bin geheilt. Ich fühle mich frei, auch wenn ich körperlich in mancher Hinsicht eingeschränkt bin. Mein Glaube konnte wachsen und ich weiß, wie gut mein himmlischer Vater alles gemacht hat, weil er mich lieb hat. Das war die lehrreichste Zeit meines Lebens. Ich wünsche jedem Menschen, dass er einsieht: es ist ja gar nicht so schwer, Gott zu vertrauen!

Ruth S.

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