„Entspannt euch – es gibt (k)einen Gott!“

Der Papst der Gottlosen, die sich viel lieber „Freigeister“ nennen, weil das viel mehr nach Freiheit und Abenteuer klingt, heißt seit einiger Zeit Richard Dawkins. Sein Wälzer „Der Gotteswahn“ erreichte innerhalb kürzester Zeit Kultstatus, und alle, die den Gott der Bibel eigentlich schon immer für eine lächerliche Figur gehalten hatten, durften nach eigener Einschätzung endlich laut aufatmen, denn er schrieb ihnen aus dem Herzen.

Inzwischen hat sein Thema ein ganz anderes Niveau erreicht, denn mit „Religulous“ kam ein „Dokumentarfilm“ des US-Comedians Bill Maher auch in die deutschen Kinos, dessen ganzer Sinn und Inhalt darin besteht, auch dem schlichtesten Gemüt verständlich zu machen, dass Religion und Glaube nicht nur „irrational, wissenschaftsfeindlich, gefährlich und ethisch bedenklich“, sind, sondern sich darüber hinaus selbst als „überaus lächerlich“ entlarven, wenn man ihren Protagonisten nur die richtigen Fragen stellt. So formulierte die Schriftstellerin Karen Duve in ihrem SPIEGEL-Essay „Welt ohne Gott“ vom 30.März 2009, spürbar begeistert von der Möglichkeit, endlich mal mit Hingabe gen das „Gefasel“ und den „folgenschweren Blödsinn” der Frommen zu Felde ziehen zu dürfen. Und je länger ich las, umso mehr wuchs mein Zorn.

Sind alle Frommen Idioten?

Wer sagt eigentlich, dass es ein Blödsinn ist, nicht an den Urknall, sondern an einen intelligenten Schöpfer zu glauben? Was ist so lächerlich an der Gewissheit, dass mein Leben Sinn und Ziel hat? Und ist ein Glaube primitiv, der auch durch dunkle Zeiten trägt?

„Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Entspannt euch und genießt das Leben!” So stand es kürzlich in Spanien und England auf Bussen, und viele waren begeistert. Dabei handelt es sich um einen uralten Hut. Vor 2000 Jahren hieß das: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!” (1. Korinther 15,32) Mehr ist da nicht? Und das soll die einzig erfreuliche Alternative sein? Das ist nun wirklich lächerlich ...

Ein großes Missverständnis

Die Freude an der Gott-losen Freiheit hört meistens schlagartig auf, sobald die Krisen kommen. Wenn plötzlich der soziale Absturz droht, wenn Krankheit das kleine private Paradies zerstört, wenn liebe Menschen sterben oder das eigene Leben zu Ende geht, dann fragen die Härtesten plötzlich nach Gott und rufen den Pfarrer. Warum eigentlich immer erst dann? Könnte es sein, dass sie irgendwas gründlich missverstanden haben?

Karen Duve formuliert in ihrem Essay: „Bleibt die Frage, warum ein Gott sich eigentlich für meine öde Existenz, meine kleinen gierigen Wünsche, erbärmlichen Hoffnungen ... interessieren sollte.“ Und genau das ist der entscheidende Punkt: Der Gott, von dem die Bibel spricht, ist eben nicht der „gütige himmlische Diktator“, sondern der Schöpfer und Erhalter, der sich für uns und unser kleines Leben interessiert – nicht erst in Krisenzeiten, sondern vom ersten Tage an. Da ist nicht eine riesige Distanz, sondern eine intensive Nähe, und mein Leben bekommt eine ganz neue Tiefe, weil dieser Gott mich auf der Rechnung hat. Und plötzlich tun mir all diese fröhlichen Gottlosen wirklich Leid ...

 

Friedhelm K. aus Alsbach

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