Von Gott vergessen?

Vor etwa achtzehn Jahren entschloss ich mich, dem Mitarbeiter eines Missionswerkes bei seiner Arbeit zu helfen. Nach einem Einsatz auf den Philippinen fuhr ich mit dem Wagen auf der Autobahn in Richtung Ulm. Ich war müde und schon die dritte Nacht unterwegs. Aber ich war ja schon fast daheim und wollte deshalb keine weitere Pause machen oder meinen Beifahrer ans Steuer lassen.

Meine Augen wurden immer schwerer. Plötzlich krachte es. Der Wagen überschlug sich mehrmals und blieb auf der Seite liegen. Ich hatte große Schmerzen und konnte mich nicht mehr bewegen. Gott sei Dank, mein Beifahrer blieb unverletzt! Er zwängte sich durch die zersplitterte Frontscheibe, um Hilfe zu holen. Dann verlor ich das Bewusstsein.

Als ich wieder zu mir kam, versuchte ich mich zu bewegen. Aber bis auf die rechte Hand rührte sich nichts. Eine schreckliche Gewissheit stieg in mir empor: Ich bin vom Hals ab querschnittsgelähmt! Nie wieder würde ich laufen können! Das war ein Schock!

Ich verstand nichts mehr. Hatte Gott mich vergessen? Hatte ich mich total geirrt, als ich den Plan fasste, für ihn zu arbeiten? – Auch wenn viele meiner Mitmenschen mir keinen Trost geben konnten, war ich Jesus nie so nahe wie zu jener Zeit. Ich begann zu begreifen, was er für meine Schuld an körperlichen und seelischen Schmerzen leiden musste. In Jesaja 53 fand ich deshalb Trost und Kraft.

Auch heute gibt es noch offene Fragen. Aber ich vertraue darauf, dass Gott mir zur rechten Zeit die Antwort geben wird. Dann werde ich erkennen, dass alles zu meinem Besten war. Er wird sicherlich noch Großes in meinem Leben tun. Vielleicht kann ich auf diesem Weg Menschen zu ihm führen, die ich sonst nicht erreicht hätte. Nachfolge bedeutet für mich nicht, frei zu sein vom Leid, sondern Jesus auch im Leid nachzufolgen. Ich erfahre, dass Gott mich liebt und gerade im Leiden nicht allein lässt

Günter H.

zurück zur Übersicht