Was ist Heiligung und was muss ich dafür tun?

Theologen verstehen heute oft unter Heiligung eine Veränderung des Charakters, sodass dieser Christus ähnlicher wird. Im Neuen Testament sind Heiligung und Rechtfertigung jedoch im Grunde Begriffe, die sehr eng zusammengehören und nahezu austauschbar sind. Durch die Heiligung wird der sündige Mensch von Gott geheiligt und durch die Rechtfertigung wird der Ungerechte von Gott gerecht gesprochen (vgl. Röm 6,19). Beide Begriffe beschreiben also die Erlösung des Menschen durch Christus.

Glauben wir, dass Jesus für unsere Schuld gestorben ist und nehmen wir ihn als unseren Erlöser an, dann sind wir geheiligt oder gerecht geworden (1 Kor 6,11). Deswegen werden die Christen im Neuen Testament „Heilige“ genannt, auch wenn sie noch so manche Charaktermängel hatten und sich nicht immer christlich verhielten (1 Kor 1,1.2.11; 5,1.2; 6,1). Ein „Heiliger“ ist kein sündloser oder charakterlich hochstehender Mensch, sondern jemand, dem Gott seine Schuld vergeben und das ewige Leben geschenkt hat. Eigene Anstrengungen, Bußübungen oder moralisch einwandfreies Verhalten machen uns demnach nicht heilig. Gott heiligt uns vielmehr und spricht uns gerecht, wenn wir ihm vertrauen. Wir können das Geschenk der Erlösung also nur im Glauben annehmen.

Das heißt jedoch nicht, dass wir ohne eine Veränderung unserer Einstellung, unseres Charakters und Verhaltens weiterleben. „Heiligen“ bedeutet „absondern, für Gott abgestellt sein“. Wenn Gott uns rechtfertigt oder heiligt, sondert er uns von der Sünde ab, befreit uns von ihrer Last. Damit sind wir frei, in einer persönlichen Beziehung zu ihm zu leben und ihm zu dienen. Unter dem Einfluss seines Geistes verändert sich unser Wesen, sodass Liebe, Freude oder Frieden die negativen Gefühle mehr und mehr ersetzen (Gal 5,22.23). Wir fragen nach dem Willen Gottes und versuchen ihn mit Jesu Hilfe in unserem Leben umzusetzen (Kol 4,12). Jesus ist unser Vorbild. Nach ihm richten wir unser Denken und Verhalten aus (Joh 8,12). Das alles macht unser Leben hell und froh.

Diese Veränderung ist jedoch nur möglich, wenn wir uns dem Einfluss Gottes ausliefern. Nur dann kann er uns heiligen (hier erhält „heiligen“ die zuerst erwähnte Bedeutung). Wenn wir nicht auf Gott durch Lesen seines Wortes hören und nach seinem Willen suchen, wenn wir nicht im Gebet mit ihm verbunden bleiben oder wenn wir den Einfluss seines Geistes abwehren, wird alles beim Alten bleiben. Gott zwingt uns die Erneuerung unseres Lebens nicht auf. Er bietet sie uns wie die Rechtfertigung als Geschenk an.

Die Bibel ist wie ein Spiegel. Durch sie zeigt uns Gott Sünde und Charaktermängel. Auch durch die Stimme des Heiligen Geistes versucht er uns auf Schwachstellen aufmerksam zu machen. Hören wir auf ihn, bereuen wir unser Versagen und bitten wir um Vergebung, Befreiung und Veränderung, dann wird er unser Leben neu machen (1 Joh 18,9). Wie bei der Rechtfertigung ist die Veränderung des Lebens ein Geschenk Gottes, das er uns anbietet. In diesem Sinne ist Heiligung die tägliche Erfahrung der Liebe und Gnade Gottes, der Vergebung durch Christus und der Erneuerung durch den Heiligen Geist.

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