Ist die Taufe heilsnotwendig?

"Auch Jesus ließ sich taufen, obwohl dies nicht nötig gewesen wäre. Doch er wollte 'alle Gerechtigkeit erfüllen'."

In der frühen Christenheit diskutierte man nicht darüber, ob man getauft werden muss, um errettet zu werden und welche Ausnahmen es gibt. Dieses Denken war den Menschen damals fern. Es ist aber typisch für unsere Zeit, weil wir inzwischen so gut wie alles in Frage stellen.

Grundsätzlich gesehen ist die Taufe jedoch für die Errettung des Menschen heilsnotwendig. So ließ sich Jesus taufen, obwohl er es nicht nötig hatte. Er begründete dies mit: „Es gebührt uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen." (Mt 3,13-15). Was für Jesus wichtig ist, können wir nicht als unnötig ablehnen.

In seinem Missionsauftrag macht Jesus die Errettung vom Glauben und der Taufe abhängig: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden" (Mk 16,16). Und Petrus verknüpft die Vergebung der Sünde mit der Sinnesänderung des Menschen und der Taufe, wenn er in der Pfingstpredigt auffordert: „Tut Buße (d. h. „Ändert eure Einstellung") und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden ..." (Apg 2,38).

Die Errettung ist also – außer von der Liebe und Gnade Gottes und dem Opfer Jesu – von zwei Schritten des Menschen abhängig: Von seiner inneren Haltung gegenüber Gott (Glaube und Sinnesänderung) und von einer Handlung oder einem sichtbaren Bekenntnis in der Öffentlichkeit. Wir sollen also vor unseren Mitmenschen zu dem stehen, was in unserem Inneren abgelaufen ist. Als Zeichen dafür hat Jesus die Taufe eingesetzt.

Wenn Gott ein Zeichen wie die Taufe gibt, hat der Mensch eigentlich nicht das Recht, es zu verändern, abzuschaffen oder als belanglos zu betrachten. Das zeigen verschiedene Beispiele in der Bibel. Wenn der Mensch die Einsetzung Gottes missachtete oder veränderte, konnte er nicht länger mit dessen Segen oder der Erhörung seiner Gebete rechnen (z. B. 1 Mo 4,3-5 – Kain opferte, was er wollte). Man kann dies auch als „Ungehorsam" bezeichnen, weil der Mensch nicht tut, was Gott sagt und Jesus vorgelebt hat (vgl. 1 Sam 15,23). Es geht also darum, dass wir Gott in seinen Anordnungen ernst nehmen. Sonst stellen wir uns insgeheim über ihn.

Man kann den Bundesschluss zwischen Gott und Mensch in der Taufe auch mit einem Ehebund vergleichen. Laut Bibel sind Mann und Frau nicht dann ein Ehepaar, wenn sie zusammenleben (vgl. z. B. Joh 4,17.18), sondern wenn sie einen öffentlich-rechtlichen Bund geschlossen haben. Und auch in unserer Gesellschaft ist eine freie Lebenspartnerschaft keine Ehe. Genauso möchte auch Jesus mit der Taufe ein öffentliches und freiwilliges Bekenntnis zu ihm.

So ist es im Normalfall. Aber es gibt auch Ausnahmen, die von bestimmten Situationen abhängig sind. So konnte sich der Verbrecher am Kreuz nicht mehr taufen lassen. Aber er bekannte seinen Glauben an Jesus öffentlich, sodass jeder es hören konnte, der sich dort befand. Genauso kann man niemanden durch Untertauchen taufen, der auf dem Sterbebett zu Jesus findet und sich bekehrt. Wir dürfen aber die Ausnahmen nicht zur Regel machen. Wenn es uns möglich ist, dann „geziemt es" auch uns, „alle Gerechtigkeit zu erfüllen" – so wie Jesus es tat.

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