Ist Jesus ein Geschöpf oder Gott?

„Selbst Gott-Vater nennt Jesus ‚Gott‘ und fordert die Engel auf, seinen Sohn anzubeten.“

Die ersten Christen diskutierten nicht die Frage „Ist Jesus ein Geschöpf oder Gott?". Für sie war er der Sohn Gottes, der zu uns kam, um uns zu erlösen. Die theologischen Streitigkeiten über seine Natur kamen erst später auf, als der christliche Glaube durch die griechische Philosophie beeinflusst wurde. Trotzdem finden wir in der Bibel genügend Hinweise, die uns helfen, diese Frage zu beantworten.

Weil kein Geschöpf imstande ist, für die Sünden eines anderen einzustehen (Hesekiel 14,14), kann Jesus kein geschaffenes Wesen sein, das an Gottes Stelle die Menschen erlöst. Durch den Tod seines Sohnes engagiert sich Gott vielmehr selbst, um die Sünder zu retten. Er wälzt die Bereinigung der Schuld nicht auf einen Unbeteiligten ab, sondern steht persönlich für seine Geschöpfe ein.

Paulus schreibt, dass Jesus göttliche Gestalt hatte, Gott gleich war und sich selbst erniedrigte (Philipper 2,5-8). Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes und hat die Fülle der Gottheit (Kolosser 1,15; 2,9). Er hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens (Hebräer 7,1-3; hier verglichen mit Melchisedek). Johannes ergänzt dies: Jesus ist der einzigartige Gott, der „Seiende im Schoß des Vaters" (Johannes 1,18 wörtlich). Deshalb hat er das Leben in sich selbst (Johannes 5,26) und die Macht sein Leben zu lassen und es wieder zu nehmen (Johannes 10,17.18). Wer Jesus sieht, sieht den Vater (Johannes 14,9.10). Deshalb wird er auch als Abglanz der Herrlichkeit Gottes und Ebenbild seines Wesens bezeichnet (Hebräer 1,3). Nicht nur Thomas nennt Jesus „Gott" (Johannes 20,28), sondern auch Gott-Vater selbst (Hebräer 1,8.9).

Im Neuen Testament werden Aussagen des Alten Testamentes auf Jesus bezogen, in denen von „Jahwe" die Rede ist. „Jahwe" ist der wichtigste hebräische Name Gottes und bedeutet „Er ist" (vgl. 3. Mose 3,14 – nicht „Er wird sein"; Luther übersetzt „Jahwe" in Anlehnung an die jüdische Gepflogenheit mit „der HERR"). Dieser Name drückt die Unveränderlichkeit Gottes aus. Im Neuen Testament wird er nicht mehr in der hebräischen Form verwendet, sondern nur in freier Übersetzung (Offenbarung 4,11: „der da war und der da ist und der da kommt").

Weil Gott-Vater bisher von keinem Menschen gesehen wurde (1. Timotheus 6,16), können die Erscheinungen Jahwes im Alten Testament (vgl. 1. Mose 18) nicht ihn, sondern nur seinen Sohn meinen. Dieser Name ist also eine Art „Familienname" für Vater und Sohn. Deshalb sagt Gott-Vater von Jesus, dass er Jahwe ist, der die Erde geschaffen hat (Psalm 102,20,26-28 – Hebräer 1,10-12). Er ist unveränderlich derselbe (dies ist die Bedeutung des Namens „Jahwe"; vgl. Hebräer 13,8). Jesus kündigte als Jahwe an, dass er von seinem Volk durchbohrt werden wird (Sacharja 12,8.10 – Johannes 19,37). Jesaja sah Jesu Herrlichkeit als Jahwe (Jesaja 6,1-3 – Johannes 12,37-41). Deshalb ist Jesus Jahwe oder der „HERR", dessen Name angerufen werden soll (Joel 3,5 – Römer 10,9-13 vgl. auch Apostelgeschichte 2,21.36). Anbetung aber gebührt nur Gott (5. Mose 6,13). Zahlreiche Bibeltexte zeigen, dass Jesus tatsächlich angebetet wurde (proskynéo, d. h. anbeten, niederfallen und verehren: Matthäus 14,33; Johannes 9,38; Apostelgeschichte 7,58.59; 1. Korinther 1,1.2; Hebräer 1,6).

Von diesen biblischen Aussagen her gesehen können wir also sagen: Jesus ist kein Geschöpf, sondern der Sohn Gottes, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der göttliche Gestalt und die Fülle der Gottheit besitzt. Er wird von Gläubigen und Engeln angebetet. Er ist Schöpfer, Erlöser, Fürsprecher und Richter des Welt.

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