Zu wem bete ich eigentlich?

Foto: Johann Pirngruber | churchphoto.de

Jeder Mensch hat seine eigene Gottesvorstellung. Sie kann unpersönlich sein, wie der Glaube an das Schicksal, die Sterne oder das Karma. Sie kann auch persönlich sein, wie der Glaube an Jehova, Allah oder Christus. Wer sich Gott persönlich vorstellt, hat das Bedürfnis, zu ihm zu reden. Schließlich sieht er, was man braucht, und kann Bitten erfüllen. Die uralte Frage ist nur: Wie bewegt man Gott dazu, einzugreifen und zu helfen?

In allen Kulturen lassen sich Gebete nachweisen, die bei Gott etwas erreichen wollen: eine gute Ernte, Heilung, Schutz oder Segen verschiedenster Art.

Durch Opfer, Gelübde, ständige Wiederholungen oder beschwörende Formeln will man dabei Gottes Wohlwollen erlangen. Zugrunde liegt die Vorstellung, Gott sei durch irgendwelche Riten oder Formeln beeinflussbar. Funktioniert er wie ein Automat, der, wenn man die richtige Münze hineinsteckt, das Gewünschte ausspuckt? Ist er nur dazu da, Wünsche zu erfüllen?

Ich möchte Sie mit dem Gott der Bibel bekannt machen. Er stellt sich im ersten Satz als Schöpfer vor: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ Bei allen wichtigen Begegnungen mit uns Menschen beruft er sich auf seine Schöpfertat. Er ist nicht irgendein Gott, den Menschen sich nach ihren eigenen Vorstellungen erdacht haben, er ist der, der das Leben schuf und auch das Ziel der Menschheitsgeschichte kennt. Allein diesem Schöpfergott gebührt Anbetung.

In unserer Gesellschaft steht der Schöpfer ziemlich am Rande. Der Ursprung des Lebens – so meint man – liegt in fernster Vergangenheit, er wird mit der günstigen Zusammensetzung des damaligen Meeres, elektrischen Blitzentladungen und dem glücklichen Zufall erklärt. Nachdem erst einmal der erste Einzeller existierte, war die Weiterentwicklung zu einem Mehrzeller nur noch eine Frage der Evolution und der Zeit.

Es ist durchaus vorstellbar, dass sich bald Fische entwickelten, aus denen wiederum die Reptilien hervorgingen, von denen dann die Vögel abstammten (die Schuppen veränderten sich in Millionen Jahren zu Federn). Aus einem anderen Zweig der Evolution entwickelten sich die Säugetiere und der Mensch.

Der surrealistische spanische Maler Salvador Dalí hat einmal gesagt: „Wer sich kein galoppierendes Pferd auf einer Tomate vorstellen kann ist ein Idiot.“ Fantasievolle Vorstellungen sind aber keine Wirklichkeit. Unsere Wissenschaftler klammern die „These Gott“ in ihren Überlegungen aus. Was bleibt, ist der Versuch, das Unmögliche in so langen Zeiträumen vor sich gehen zu lassen, dass man, geblendet von dem Meer der Zeit, alles für möglich hält. Zum Beispiel, wie unsere Augen entstanden sind: Im Schädelknochen bilden sich zwei Höhlungen, in denen sich Glaskörper entwickeln mit Horn-, Binde-, Leder-, Ader- und Netzhaut; dazu entsteht eine Linse, die automatisch die Brennweite einstellt, sowie eine Blende, die den Lichteinfall automatisch reguliert. Genau auf der Netzhaut entwickeln sich Fotorezeptoren (130 Millionen Lichtsinneszellen und 7 Millionen Zapfen in drei verschiedenen Arten für die Rot-, Grün- und Blaukomponenten des Lichts). Die Rezeptoren sind über eine Sehnervkreuzung so mit den zwei Sehzentren im Gehirn verbunden, dass wir dreidimensional sehen können. Dazu kommt, dass die Glaskörper durch  sieben Muskeln zu bewegen sind, von Augenlidern bedeckt und von einer genau passenden Flüssigkeit „geschmiert“ werden, die vor Infektionen und dem Austrocknen schützt sowie die nötigen Nährstoffe und Sauerstoff anliefert. Das Ganze ist ein äußerst kompliziertes System, perfekt symmetrisch angeordnet. Welche Komponente soll sich als letzte entwickelt haben? Oder hat die „Natur“ das Auge als Gesamtentwurf „geschaffen“?

Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass ein so komplexes Gebilde genial geplant sein muss. Fachleute formulieren bewundernd: „Die Natur hat erstaunliche Lösungen hervorgebracht.“ Oder: „Da  hat sich die Evolution etwas Großartiges einfallen lassen.“ Trotzdem ordnen sie die Genialität vieler Funktionen des Lebens einer Theorie der Evolution zu, weil mit Gott wissenschaftlich nicht gearbeitet werden kann und darf. In einem Fachbuch steht zum Auge lapidar: „Im Laufe der Evolution hat sich unser kompliziertes Auge aus immer neuen Umwandlungen der Haut entwickelt.“ Nach Salvador Dalí kann ich mir das vorstellen, nur glauben kann ich es nicht. Dagegen ist es für mich folgerichtig, an einen Schöpfer zu glauben und ihn anzubeten.

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