Gott und der Ursprung des Bösen

Der zweite Teil der Bitte lautet: „..., sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Wir dürfen bei Gott Schutz suchen vor der Macht des Bösen in uns und in der Welt. 

Von der grammatischen Form her, kann hier das Böse (das Schlechte in der Welt) gemeint sein oder der Böse, Satan. Wenn Gott uns nur von den bösen Zuständen in dieser Welt erlösen soll, dann wird es durch den Urheber des Bösen immer wieder neues Böses und neue Versuchungen geben. Die Bitten im Vaterunser drehen sich aber um die endgültigen Lösungen. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, und deshalb auch: Erlöse uns für immer vom Urheber des Bösen.

Nur einer kann unsere Probleme mit Versuchungen und Satan lösen, das ist der Schöpfer selbst.

Der Böse hat in der Bibel verschiedene Namen: „Der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt.“ (Offb 12,9) Das hebräische Wort Satan bedeutet Gegenspieler. Teufel ist von dem Wort Diabolos abgeleitet mit der Bedeutung Durcheinanderwerfer, Verleumder.

Mancher meint, wenn Gott alles geschaffen hat, dann muss er auch seinen Gegenspieler geschaffen haben. Das klingt logisch, ist aber genau so falsch wie die Aussage: Weil unser Gärtner alles im Garten gesät hat, hat er auch den faulen Kürbis gesät.

Gott hatte – vor der Erschaffung des Menschen – für seine unmittelbare Umgebung vollkommene, reine und untadelige Engelwesen geschaffen. Aber Gott schuf sie, genau wie uns Menschen, als Wesen mit Entscheidungsfreiheit. Sie konnten Gottes „Hausordnung“ gut finden und sich ihr willig unterordnen, oder sie konnten sich dagegen auflehnen und ihre eigenen Ideen für besser halten.

Einer der bewundernswertesten Engel missbrauchte seine Freiheit und wollte seinem Schöpfer gleich werden. Das war gegen die „Hausordnung“ des Himmels. Was ist wohl in diesem „Lichtträger“ vor sich gegangen? Genau hier liegt der Ursprung des Bösen. Weil Gott nicht „entthront“ werden konnte, schlug der gekränkte Größenwahn und Stolz des Engels in Hass um, und er wurde zu Satan, Gottes Gegenspieler. Die Bibel schildert uns die innere Veränderung eines vollkommenen Wesens.

Im biblischen Buch des Propheten Hesekiel wird die Beschreibung des Königs von Tyrus zu einem Synonym für den abtrünnigen Engelfürsten, der zu Satan wurde. Man erkennt bei der Beschreibung des Königs und dem Gebrauch des Begriffs „Cherub“ (das sind die  Engel am Thron Gottes), dass es hier um mehr geht als um einen Menschen. Einige Textpassagen aus Hesekiel 28,12-17:

„Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön. ... Du warst ein glänzender, schirmender Cherub ... Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, als du geschaffen wurdest, bis sich Unrecht an dir fand. ... Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt.“

Der Prophet Jesaja ergänzt: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern ... Du dachtest in deinem Herzen: ‚Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen, ... ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten’“. (Jes 14,12-14; in der lateinischen Bibel steht hier statt „Morgenstern“ der Name „Lucifer“, d.h. Lichtträger.)

Nach seiner Auflehnung arbeitete er gegen den Schöpfer. Der Friede war dem Streit gewichen, zunächst im Himmel und später auch auf der Erde, unter uns Menschen und in der Natur. Satan setzte alle seine Intelligenz dazu ein, das wunderbare Schöpfungswerk Gottes zu zerstören.

Wir leben als Menschen mitten in diesem Zerstörungsprozess: Ein Tier frisst das andere, und wir Menschen vernichten – unter dem Einfluss der egoistischen Gedanken Satans – unseren eigenen Lebensraum.

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