Zeigt nicht die Akasha-Chronik, dass die Bibel durch die Kirche verfälscht wurde?

Esoteriker behaupten oft, dass die Bibel durch die katholische Kirche verfälscht worden sei. So habe man die Lehre der Reinkarnation und den Indien-Aufenthalt Jesu aus der Bibel ausgemerzt. Dabei verweisen sie auf die verschlossenen Archive und Bibliotheken des Vatikans und die Akasha-Chronik. Doch die ältesten Bibelhandschriften finden wir nicht im Vatikan. Die komplette Jesaja-Rolle beispielsweise wurde in Qumran in einer Höhle versteckt, als es noch keine katholische Kirche gab. Inzwischen ist sie nicht mehr die älteste Bibelhandschrift.

In allen diesen alten Dokumenten ist nichts zu finden, das eine Verfälschung bestätigt. Immer, wenn eine alte Bibelhandschrift entdeckt wurde, mussten die Forscher feststellen: Die Bibel ist das am besten überlieferte Buch in der Weltgeschichte! Christen sind deshalb der Überzeugung, dass Gott über seinem Wort wacht.

Die katholische Kirche bekennt sich außerdem offen dazu, dass sie zahlreiche nichtchristliche Gebräuche, Vorstellungen, Lehren und Traditionen aus dem Heidentum übernommen habe (z. B. den Rosenkranz aus Indien). Warum sollte sie gerade bei der Reinkarnation Geheimniskrämerei betreiben?

Interessanterweise gründet sich diese Behauptung von der Verfälschung der Bibel  auf keine historische Quellen. Die sogenannte „Akasha-Chronik“ ist nämlich kein historisches Werk! Sie meint nur die „feinstofflichen, nur meditativ erschließbaren Archive spirituellen Wissens“. Die Idee einer solchen Chronik stammt von den Theosophen des 19. Jahrhunderts.

So schaute Levi Dowling sein Wassermann-Evangelium – das aus der Akasha-Chronik stammen soll – in „morgendlichen Visionen“. Auch sein Fünftes Evangelium hat Rudolf Steiner aus dieser Chronik durch „visionäre Schau“ erhalten. Nur aus diesen „außerweltlichen Archiven“ könne man die objektive Wahrheit erfahren, meinte er. Sie komme in den auf der Erde vorhandenen Urkunden und Texten nur begrenzt zum Ausdruck. Deshalb stehe seine „Geistesforschung“ als Richterin über alle irdischen Schriften.

Dowling und Steiner machen sich also selbst zum Maßstab der Wahrheit ihrer eigenen Aussagen: Die Quelle ihrer Lehre sei transzendent. Deshalb steht sie über allen irdischen Beweisen: Sagen diese etwas anderes aus, müssen sie gefälscht sein. – Diese Argumentation ist weder wissenschaftlich, noch logisch nachvollziehbar. Da könnte jeder sagen, er habe zu „außerweltlichen spirituellen Archiven“ Zugang, und dann alles Mögliche behaupten.

Die Bibel gibt uns klare Richtlinien zur Beurteilung von Menschen, die im Namen Gottes auftreten (z. B. Mt 7,15-23; 2 Kor 11,13-15). An diesen gemessen sind die Propheten der Esoteriker keine von Gott beauftragten Sprecher. Sie zitieren zwar die Bibel, aber reißen die Texte aus dem Zusammenhang und interpretieren sie aus dem Blickwinkel ihres Vorverständnisses. Christen sollen deshalb kritisch prüfen, was ihnen auf dem religiösen Markt angeboten wird und sich dabei an die biblische Regel halten: „Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!“ (1 Kor 4, 6).

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