Sind für Christen die im Alten Testament festgelegten Festtage verbindlich?

Die Feiertage im Alten Testament wurden „Sabbat“ genannt, d. h. „Ruhe“. Neben der wöchentlichen Sabbatfeier am Samstag, dem von Gott bei der Schöpfung eingesetzten Ruhetag, den er auch in den Zehn Geboten verankerte (1 Mo 2,2-4; 2 Mo 20,8-11), gab es bei den Israeliten sieben weitere „Sabbattage“, die durch das Zeremonialgesetz geregelt wurden. Der Unterschied zwischen diesen Festsabbaten des Zeremonialgesetzes und dem Sabbat der Schöpfung und der Zehn Gebote wird in 3 Mose 23,1-4 deutlich: Der wöchentliche Ruhetag steht hier im Singular (Vers 3 wörtlich: „Sabbat der Sabbate“), während die anderen Sabbate (Luther übersetzt mit „Feste“) im Plural stehen (Vers 4). Durch das Wort „aber“ wird diese Gegenüberstellung verstärkt. Der wöchentliche Ruhetag ist ein „Sabbat für den Herrn“, die anderen Feiertage sind „Sabbate des Herrn“.

 

Die sieben Festsabbate fielen jedes Jahr auf einen anderen Wochentag. Sie bildeten vier große Jahresfeste, zu denen die Israeliten zum Tempel kamen. Sie sind mit ihren Opferzeremonien Hinweise auf Christus und haben ihre Erfüllung mit dem Kommen Jesu gefunden. Deshalb brauchen Christen diese Feste nicht mehr zu feiern (Kol 2,16.17 – Paulus spricht auch hier wörtlich von „Sabbaten“). Hier nun ein kurzer Überblick, und welche Bedeutung sie im Neuen Testament haben:

 

Passahfest:

Fest der Verschonung und Befreiung – Kreuzigung und Auferstehung Jesu (1 Kor 5,7.8). Durch sein Opfer befreit uns Christus aus der Herrschaft Satans und der Sünde. So wie Gott das Volk Israel aus der Tyrannei des Pharaos in Ägypten befreite (weitere Vergleiche siehe 1 Kor 10,1-13). Jesus hat das Passahfest durch das Abendmahl ersetzt.

 

Pfingstfest:

Erstes Erntedankfest – Ausgießung des Heiligen Geistes (Apg 2). Erste „Ernte von Menschen“, die Christus als ihren Erlöser annehmen.

 

Großer Versöhnungstag:

Zweitwichtigstes Fest im israeltischen Kalender – Letzter Aufruf zur Umkehr der Menschen, Vorentscheidung im Himmel, wer zum Leben und wer zum Gericht aufersteht, Wiederkunft Jesu, Endgericht und Vernichtung alles Bösen (Dan 7,9-14). Dies bedarf einer genaueren Erklärung (wie z. B. im kostenlosen Bibelfernkurs „Start in die Zukunft“), weil viele Christen zwar die symbolische Bedeutung des Passahsabbats kennen, nicht aber des Versöhnungssabbats.

 

Laubhüttenfest:

Großes Erntedankfest und Abschluss des israelitischen Festjahres – „Ernte“ aller Gläubigen und Leben auf der neuen Erde (Mt 13,24-30; Offb 14,14-16; 21,1-22,1-5).

 

Während viele Christen heute nicht mehr den wöchentlichen Sabbat (Samstag) feiern, der bei der Schöpfung eingesetzt und in den Zehn Geboten bestätigt wurde, beachten sie - neben dem von Kaiser Konstantin 321 n. Chr. gesetzlich verordneten Sonntag - immer noch die zeremoniellen israelitischen Festsabbate (Ostern, Pfingsten, Buß- und Bettag, Erntedank), die eigentlich ihre Erfüllung in Christus gefunden haben. In Jes 66,22.23 wird vorausgesagt, dass alle Menschen auf der neuen Erde jeden Monatsanfang (Neumond) und jeden Sabbat zum Thron Gottes kommen, um ihn anzubeten. Von den anderen Feiertagen wird dort nichts gesagt.

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