Hat Jesus während des Abendmahls alkoholischen Wein verwendet?

„Alkoholischer Wein ist ein falsches Symbol für das Blut Jesu.“

Die Verwendung von alkoholischem Wein während der Abendmahlsfeier oder Eucharistie hat in vielen Kirchen zu Diskussionen geführt. Wird nicht ein trockener Alkoholiker durch diese Praxis von jeder Abendmahlsfeier von vornherein ausgeschlossen? Tatsächlich haben manche alkoholkranke Christen durch den Abendmahlswein einen schweren Rückfall in den Alkoholismus erlebt. Hat jemand erst einmal durch Alkoholmissbrauch einen Kontrollverlust erlitten, kann ihn nach seiner Heilung schon wenig Alkohol wieder rückfällig werden lassen. Deshalb muss er Alkohol in jeder Form strikt meiden und darf deshalb auch beim Abendmahl auf keinen Fall den Kelch nehmen. Diesem Dilemma entgeht die katholische Kirche dadurch, dass seit 1415 n. Chr. nur der Priester aus dem Kelch trinkt.

Weil das Abendmahl sich aus dem Passahfest ableitet, könnten wir bei der Beantwortung der Frage, ob Jesus den Jüngern Alkohol oder Traubensaft gereicht hat, auf die jüdische Tradition blicken. Während des Passahfestes war den Israeliten das Essen von gesäuertem Brot streng verboten. Alles was Gärung hervorrufen konnte (hebr. seor, d. h. Sauerteig) oder Gärung durchlaufen hatte (hebr. chamets, d. h.sauer, gesäuert, gegoren, fermentiert sein, davon stammt das Wort chomäs, d. h. Essig), musste aus dem Haus entfernt werden (2. Mose 12,15,17-20). Einige wenige rabbinische Aussagen beziehen dieses Gebot Gottes auch auf Getränke. Andere weisen daraufhin, dass Sauerteig hauptsächlich eine Milchsäuregärung durchläuft, die sich von der alkoholischen Gärung deutlich unterscheidet (es wird jedoch auch ein wenig Alkohol durch „wilde" Hefe erzeugt). Deshalb könnte beim Passahfest alkoholischer Wein getrunken werden.

Bei der Einsetzung des Passahfestes ist vom Wein jedoch keine Rede. Das Trinken von vier Gläsern Wein ist eine spätere jüdische Tradition. Deshalb sagt das Alte Testament nichts über den Passahwein.

Im neuen Testament wird in Bezug auf das Abendmahl nur vom „Kelch" und dem „Gewächs des Weinstocks" gesprochen (siehe beispielsweise Matthäus 26,26-29). Ob Jesus beim Abendmahl den Jüngern alkoholischen Wein gereicht hat oder unvergorenen Saft (aus Rosinen oder Sirup hergestellt oder auf andere Art konserviert), kann deshalb aus keinem neutestamentlichen Text direkt abgeleitet werden.

Paulus bezieht sich auf den israelitischen Brauch, während des Passahfestes allen Sauerteig aus den Häusern zu entfernen. In 1. Korinther 5,6-8 zeigt er uns auch das „Warum" dieses Gebotes. Sauerteig war für die Israeliten ein Symbol der Sünde: Wie nur ein wenig Sauerteig eine ganze Schüssel Brotteig durchsäuert, so hat auch nur eine Sünde die ganze Welt verdorben. Weil sowohl das Brot des Passahfestes als auch des Abendmahls ein Symbol des sündlosen Leibes Christi ist, sollte es ohne Sauerteig (oder Hefe) gebacken werden.

Wenn aber die Milchsäuregärung des Brotes im Neuen Testament als Bild für die Wirkung der Sünde genommen wird, kann die alkoholische Gärung des Weines als parallel dazu gesehen werden, obwohl sie chemisch anders abläuft. Auch ein wenig Hefe lässt den ganzen Traubensaft gären. Dies ist ein Hinweis auf die Verwendung eines nichtalkoholischen Weins bei der Einsetzung des Abendmahls. Nicht nur der Leib Christi, sondern auch sein Blut ist sündlos. Alkoholischer Wein ist also ein falsches Symbol für das sündlose Blut Jesu.

Deshalb schreibt Ellen G. White in „Das Leben Jesu", Seite 652: „Die ungesäuerten Brote, die in der Passahzeit gegessen wurden, liegen vor ihm. Der unvergorene Passahwein steht auf dem Tisch. Für Christus sind diese Dinge Sinnbilder für sein makelloses Opfer. Nicht verdorben durch Gärung, dem Sinnbild der Sünde und des Todes, weisen sie auf Jesus als ‚eines unschuldigen und unbefleckten Lammes‘ hin."

Christliche Gemeinschaften des Ostens, die nicht oder nur wenig vom europäischen Christentum beeinflusst wurden, verwenden einen Abendmahlswein, der – in Anlehnung an die jüdische Tradition – kurz vor der Feier aus eingeweichten Rosinen hergestellt wird, um jede Gärung auszuschließen.

Christen sollten deshalb über die Symbolik des Abendmahls nachdenken. Etwas, das berauschen kann, das Denkvermögen trübt, emotional enthemmt, millionenfaches Leid verursacht hat, Menschen ins soziale Abseits trieb und schon bei einem Glas ein paar hundert Hirnzellen zerstört oder einen trockenen Alkoholkranken wieder rückfällig werden lässt, ist sicherlich kein passendes Symbol für Jesu Blut.

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