Muss ich Gott gehorsam sein, um erlöst zu werden?

Viele Christen glauben, sie müssten etwas tun, damit sie erlöst werden. Dabei hat Gott alles getan, was für unsere Erlösung nötig ist. Weil er uns liebt, starb Christus für unsere Schuld und überbrückte damit den Abgrund, der zwischen uns und Gott liegt. Wir müssen nur glauben: Christus hat unsere Schuld ausgelöscht und vergeben. Wir haben das ewige Leben! Nicht unser Gutsein, nicht unser Gehorsam versöhnt uns, sondern Jesus macht uns wieder zu Söhnen und Töchtern Gottes. Allein die Gnade und Liebe Gottes, allein das Opfer Jesu Christi und allein unser Glaube führen zu unserer Rettung.

Wer so die Liebe Gottes in Christus erfahren hat, will nicht wieder unter die alte Sündenherrschaft zurück (Röm 6,17). Deshalb fühlt er sich an Gott, an seinen Willen und seine Liebe gebunden. Er will mit ihm in Harmonie leben, weil er weiß, wie ein Leben ohne Christus aussieht. Deshalb ist er Gott gehorsam.

Dieser Gehorsam ist keine menschliche Leistung, durch die der Christ das ewige Leben erhalten will. Christus hat es ihm ja schon zugesprochen. Er muss es sich nicht noch einmal verdienen, und er kann es auch nicht. Er bleibt ein fehlerhafter Mensch, der täglich den Versuchungen zur Sünde ausgesetzt ist.

Trotzdem verändert sich das Leben des Christen. Dabei ist seine Liebe zu Gott die Motivation zum Gehorsam, während der Heilige Geist ihm die Kraft dazu schenkt. Deshalb ist das Wesen des Christen von Liebe und Gehorsam bestimmt. Je enger er mit Christus zusammenlebt, desto stärker wird der Wille und die Liebe Gottes auf ihn abfärben. Das nennt man gewöhnlich „Heiligung“. Heiligung ist also kein „Fegefeuer“, durch das der Christ von der Sünde bis zu seiner Vollkommenheit gereinigt wird. Heiligung ist keine menschliche Anstrengung und Leistung. Sie ist vielmehr das Wachsen der Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5,22). Dafür muss der Mensch nur die Wachstumsbedingungen einhalten: Er sucht die enge Verbindung mit Gott, indem er die Heilige Schrift studiert, im Gebet mit Gott spricht und sich vom Heiligen Geist führen lässt; er wünscht sich Gottes Willen von Herzen zu befolgen und sucht die tägliche Versöhnung mit Gott.

Christus allein ist also unsere Garantie für das ewige Leben. Sein Opfer befreit uns von Schuld und Sünde. Das ist die Grundlage unseres Glaubens. Liebe und Gehorsam sind nur die Folgen unseres Glaubens. Die Kraft dazu aber schenkt Gott.

Von außen betrachtet scheint kein Unterschied zu bestehen: Der durch Christus Erlöste und der sich selbst erlösende Mensch bemühen sich beide, das Gute zu tun. Aber die Motivation und Antriebskraft ist unterschiedlich. Während der eine aus Liebe gut sein will, ist es der andere aus Angst. Der Selbstgerechte muss sich anstrengen, um gut zu sein, während der durch Jesus Gerechtgesprochene vom Heiligen Geist dazu getrieben wird. Wenn beide versagen, bleibt dem einen nur die Depression. Der andere darf zu Jesus gehen und sagen: „Vergib mir mein Versagen. Ohne dich kann ich nichts tun. Aber mit Dir bin ich stark. Danke, dass Du mich trotz meiner Schwachheit liebst.“ – Genau das ist Evangelium.

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