Redet Gott auch heute noch durch Propheten?

„Gott lässt sich nicht durch menschliche Theorien beschränken und offenbart sich, wann und wie er will.“

Wenn man die Bibel liest, hat man den Eindruck, dass Gott sich früher sehr oft durch Propheten offenbarte. Die Bibel schildert jedoch im Zeitraffer die Geschichte des Volkes Gottes von der Erschaffung der Welt bis ungefähr 100 n.Chr. Genau betrachtet verstrichen manchmal sogar Jahrhunderte, bis Gott wieder einen Propheten schickte. In den 400 Jahren zwischen dem Wiederaufbau des Tempels und der Geburt Jesu finden wir beispielsweise keinen einzigen. Nur in Krisenzeiten und Umbruchphasen traten viele Propheten auf. Trotzdem bleibt die Frage, weshalb Gott scheinbar in den letzten 2000 Jahren geschwiegen hat.

Im Altertum gab es noch nicht die Möglichkeit, dass jeder die Heiligen Schriften persönlich besitzen und lesen konnte. Das Abschreiben der Prophetenworte mit der Hand – zuerst auf Ton, dann auf Leder und schließlich auf teurem Pergament – war mühselig. Deshalb gab es nur wenige Exemplare der alttestamentlichen Bücher. Sie wurden im Tempel und teilweise auch in den Prophetenschulen aufbewahrt.

Prophetenschulen kann man mit heutigen theologischen Seminaren vergleichen (vgl. 2. Könige 6,1). Die dort ausgebildeten Männer zogen durch das Land und verkündigten den Menschen den Willen Gottes. Manche dieser „Prediger" erhielten weitere Offenbarungen. Propheten waren also wichtig, damit jeder von Gott erfahren konnte.

Diese Aufgabe der Verkündigung übernahmen in der urchristlichen Gemeinde die Apostel, Evangelisten, Lehrer und Älteste. Dabei standen ihnen die alttestamentlichen Bücher zur Verfügung und später auch die neutestamentlichen. Trotzdem gab es immer Propheten, die besondere Ereignisse ankündigten (vgl. Apostelgeschichte 11,28;15,32; 21,9.10). Sie waren ein fester Bestandteil der neutestamentlichen Gemeinde (Apostelgeschichte 12,28).

Die Gabe der Prophetie verschwand jedoch ab dem 2. Jh. n.Chr., als die Kirche heidnische Lehren und Gebräuche übernahm, sich mit dem Staat verband und die Kirchenführer verkündeten, Gott spräche allein durch sie. Trotzdem tauchten im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Menschen auf, die im Auftrag Gottes Warnbotschaften verkündigten und dabei die Zukunft voraussagten (Johannes Hielten, Johannes Hus u.a.). Oft wurden sie verfolgt und manchmal sogar getötet.

Inzwischen stand die gesamte Heilige Schrift zur Verfügung. Im Jahr 1229 n. Chr. wurde jedoch das Lesen der Bibel in der Landessprache von der Kirche verboten. Sie war auch nicht mehr in allen Fragen des Glaubens die Grundlage der Christenheit. Deshalb standen immer wieder Reformatoren auf, die zur Bibel zurückführen wollten.

Durch falsche Propheten der Neuzeit, aber auch durch den Einfluss der modernen Theologie, entstand bei Christen verschiedener Konfessionen die Überzeugung, dass Gott heute nicht mehr durch Propheten reden würde. Diese Anschauung beschneidet jedoch Gott in seinem Handeln. Er kann sich jederzeit neu offenbaren, wem er will, wann er will und wenn die Situation unserer Welt oder der Christenheit eine weiterführende Offenbarung nötig macht. So hat er sicherlich auch durch Ellen Gould White ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Wegweisendes für uns mitgeteilt. Was aber für unsere Erlösung wichtig ist, finden wir in der Bibel. Sie ist die alleinige Grundlage des Glaubens.

zurück zur Übersicht