Wann beginnt die Endzeit?

„Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Welt entscheidend verändert und trägt deutliche Zeichen der Endzeit.“

Die Prophezeiungen von Daniel 8 und 9, besonders von Daniel 8,14 weisen auf die Endzeit hin (vgl. Daniel 8,17.19.26). Die hier erwähnten 2300 prophetischen Tage reichen vom Befehl zum Aufbau Jerusalems (Daniel 9,25) im Jahr 457 v. Chr. bis in das Jahr 1844 (eine genaue Erklärung dieser beiden Kapitel findet sich in dem Bibelstudienkurs des INTERNATIONALEN BIBELSTUDIEN-INSTITUTS „Start in die Zukunft – Alte Prophezeiungen neu entdecken", siehe hinten im Buch). Was spricht nun dafür, dass ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Endzeit begonnen hat?

Tatsächlich begann in dieser Zeit eine entscheidende Veränderung der Welt. Nicht nur, dass Wissenschaft und Technik unser Leben und unseren Lebensraum vollkommen veränderten. Man erklärte auch Gott für tot. Zwar hatten schon frühere Denker Gottes Existenz angezweifelt und auch während der französischen Revolution wurden Gott und seine angeblichen irdischen Repräsentanten durch das Volk abgesetzt. Aber erst durch den 1844 geboren Friedrich Wilhelm Nietzsche und andere Philosophen begann der Atheismus seinen Siegeszug anzutreten.

„Gott ist tot!", rief Nietzsche den Menschen zu. „Wir haben Gott getötet. Wir alle sind seine Mörder." Nietzsche glaubte an den Übermenschen, zu dem sich der Mensch eines Tages entwickeln werde.

Dazu passte die von Karl Marx und Friedrich Engels in dieser Zeit entwickelte Weltverbesserungsidee, die ohne Gott auskam: der Marxismus und Kommunismus. Und ihre Ansichten hatten weitreichende Folgen.

So hat der atheistische Kommunismus Millionen Menschen den Glauben an Gott vollständig genommen. Bibeltreue Christen wurden in kommunistischen Ländern oft verfolgt. Verbindlich war nun, was die Partei verkündigte. Nachdem die Partei aber gescheitert ist, gibt es für viele Menschen in diesen Ländern keine moralischen Werte mehr, keine Instanz, die ihnen Vorschriften machen kann. Es gibt für sie nur noch den Kampf um eigene Vorteile.

Hier treffen wir auf eine weitere Idee, die unsere Welt verändert hat: Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Charles Darwin die Evolutionstheorie mit ihrem Kampf ums Dasein. Sie lieferte die Erklärung, wie die Welt mit allen ihren Lebensformen entstanden sein könnte, nachdem viele nun nicht mehr an Gott den Schöpfer glaubten. Alles habe sich durch Zufall aus dem Nichts entwickelt. Der Bessere oder besser an die Umwelt Angepasste habe überlebt. Gott sei also völlig überflüssig für die Erklärung der Vielfalt des Lebens.

Diese Lehre wurde auch zur Grundlage des Nationalsozialismus, der vom „lebensunwerten Leben" sprach, vom Sieg der besseren Rasse über die niedrigen menschlichen Lebensformen. Wenn Übermenschen das Ziel der Evolution sind, wenn der Bessere im Kampf ums Dasein überlebt, und wenn dieser Kampf die Entwicklung der Menschheit vorantreibt, dann sollte man ihn beschleunigen, dachten die nationalsozialistischen Machthaber. Die Folgen waren Millionen Tote, verwüstete Länder, unsägliches Leid.

Bis heute konnte niemand die Behauptungen der Evolutionstheorie wissenschaftlich beweisen. Alle dafür notwendigen Experimente sind gescheitert. Deshalb ist die Evolutionstheorie nur eine Sache das Glaubens.

Der deutsche Dichter Emanuel Geibel schrieb in dieser Zeit: „Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub‘ durchs Fenster. Habt die Gottheit ihr verjagt, kommen die Gespenster." Geibel hat deutlich erkannt, was die Folgen des Unglaubens sind: Aberglaube und Spiritismus. Kein Wunder, dass Mitte des 19. Jahrhunderts der moderne Spiritismus ins Leben gerufen wurde und nur wenige Jahre später schon 15 Millionen Anhänger hatte. Auch die heute so stark vertretene moderne Esoterik hatte in dieser Zeit ihre Geburtstunde.

Einer der Grundsätze von Okkultismus und Spiritismus lautet: „Tu, was du willst!" Gut und Böse sind für ihre Anhänger nichts Absolutes. Nichts ist für sie völlig schlecht und nichts ist vollkommen gut. Jeder kann deshalb selbst bestimmen, was für ihn gut und böse oder richtig und falsch ist. Diese Gedanken haben unsere Gesellschaft stark geprägt.

Außerdem setzte sich seit dem neunzehnten Jahrhundert die moderne Theologie mit ihrer Bibelkritik immer mehr durch. Wenn es keinen Gott gibt, dann ist die Bibel auch nur ein Buch voller Märchen, Mythen und Legenden. Sie wurde von religiösen Träumern geschrieben, die meinten, Gott habe sich ihnen offenbart. So entwickelte man Methoden, um nachzuweisen, dass die Bibel keine Offenbarung eines übernatürlichen Wesens ist und deshalb viele Fehler enthält. Nicht die Atheisten zerstörten letztlich die Autorität der Bibel, sondern Theologen.

Eine solche Theologie kann natürlich nichts mehr mit den Geboten Gottes anfangen. Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keine für uns verbindlichen Gebote Gottes, keine moralischen Vorschriften, denen wir uns unterordnen müssen. Heute scheint deshalb alles möglich und alles erlaubt, solange es der Staat nicht mit polizeilicher Gewalt unterbindet. Die Erfahrung zeigt außerdem: Was heute noch verboten oder verpönt ist, kann morgen erlaubt und normal sein.

Sogar bibelgläubige Christen begannen schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts zu bezweifeln, ob Gottes Gebote heute noch gelten.

Doch Mitte des 19. Jahrhunderts kam es auch zu einem religiösen Aufbruch. Christen aller Konfessionen schlossen sich in der Adventgemeinde zusammen, um zu verkünden, dass die Menschheit deutlich sichtbar in der Endzeit lebt. Nie wieder würde die Welt so sein, wie sie bisher war. Doch sie hofften auch, dass Christus bald kommt, um sein Reich der Gerechtigkeit und Liebe zu errichten.

„Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen." Dieser Text aus Offenbarung 14,7 war ihre Antwort auf die gottlosen Philosophien des 19. Jahrhunderts. Mit anderen Worten: Nimm Gott ernst. Gib ihm die Ehre. Er ist der Schöpfer, dessen Wille gilt und der die Autorität über alle Lebewesen ist.

Sie fügten auch die Botschaft des zweiten und dritten Engels an, die vor einem Abfall vom Glauben warnen und schlossen mit den Worten des dritten Engels: „Hier ist die Geduld der Heiligen. Hier sind, die da halten die Gebote Gottes und haben den Glauben an Jesus." Hier sind Menschen, die Gott als Autorität anerkennen und ihm folgen. Hier sind Menschen, die Zeichen setzen in einer gottlosen Gesellschaft. Diese Gegenbewegung ist zweifellos von Gott ins Leben gerufen worden, um den noch suchenden Menschen Orientierung und Hilfe zu bieten. Sie soll das wieder herstellen, was durch antichristliche Mächte und Ideen an Heiligem zerstört wurde.

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